Wir haben es in Kindertagen immer wieder gehört: Zähne- putzen ist wichtig für unsere Gesundheit. Heute wissen wir: Man muss dabei ganz besondere Regeln beachten. Man kann nämlich mit Zähneputzen die Zähne kaputt machen. Hier die wichtigsten neuen Erkenntnisse.
Ein alter Spruch lautet: „Nach dem Essen Zähneputzen nicht vergessen!“ Wissenschaftler wie der Zahnmediziner Prof. Dr. Thomas Attin von der Universität Göttingen warnen davor und betonen: „Diese Regel kann man so nicht akzeptieren!“
Messungen haben ergeben: Unmittelbar nach dem Essen schadet das Zähneputzen sogar der Gesundheit, in erster Linie dem Zahnschmelz, einer Schutzschicht, die immerhin viele Jahre - nach Möglichkeit ein ganzes Leben - halten soll. Nahrungsmittel, die Säuren enthalten, greifen diesen Zahnschmelz an. Er wird weich und angreifbar, weil die Säuren das Calcium und das Phosphat aus der harten Schutzschicht herauslösen. Wer die Zähne unmittelbar nach dem Essen putzt, reibt damit auch ein Stück des aufgeweichten Zahn- schmelz ab. Dieses Material ist dann für immer verloren, weil es sich nicht nachbilden kann.
Das bedeutet aber nicht, dass man aufs Zähneputzen verzichten sollte. Wenn man den Zahnschmelz schützen möchte, muss man mindestens 30 Minuten, besser 60 Minuten, warten. In dieser Zeit wird der Zahn wieder härter, weil das Gebiss wieder neues Calcium und Phosphat aufgenommen hat. Man nennt das Remineralisieren. Das ist wichtig im Kampf gegen Karies.
Übrigens: Auch, wenn man ein Glas Wein getrunken hat, muss man 30 bis 60 Minuten mit dem Zähneputzen warten. Auch die Säuren im Wein weichen den Zahnschmelz auf.
Dazu gibt es einen einfachen Trick: Wir alle können mithelfen, dem Zahnschmelz nach dem Essen rasch wieder Kraft zu geben. Spülen Sie nach dem Essen den Mund intensiv mit Milch aus. Das verkürzt die Erholungszeit der Zähne auf etwa 20 bis 30 Minuten. Das Calcium in der Milch hilft auch bei der Einlagerung aller anderen Mineral- stoffe im Zahnschmelz.
An der Universität Göttingen ist man auch der Ansicht: Auch Kaugummi-Kauen hilft die Zähne nach dem Essen zu schützen, weil der Speichelfluss angeregt wird. Zuckerfreier Kaugummi härtet den Zahnschmelz.
Absolut falsch und gefährlich ist der Rat unserer Großmütter: „Der Apfel nach dem Essen ersetzt die Zahnbürste!“ Der Fruchtzucker im Apfel greift den Zahnschmelz an und fördert Karies.
Im Grunde genommen ist es ja nicht so wichtig, nach dem Essen die Zähne zu säubern. Wichtig ist, dass wir im Laufe des Tages die entstandenen Zahnbeläge und Plaques entfernen. Damit beugen wir dem Zahnstein vor und geben schädlichen Bakterien keine Chance, dass sie sich auf die Essensreste stürzen und dabei Substanzen bilden, welche die Zähne krank machen. Also kann man auch zwischendurch die Zähne putzen.
Wie gefährlich diese Bakterien sind, beweisen jüngste Untersuchungen. Prof. Dr. Michael Noack, Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität Köln, hat in den Gefäßverschlüssen von Infarkt-Patienten Mikroorganismen - von Bakterien - nachgewiesen, die sonst nur in Zahnfleischtaschen vorkommen. Die Bakterien in den Zahntaschen und zwischen den Zähnen gelangen ins Blut und werden über die Blutbahnen im ganzen Organismus verteilt. Hier richten sie großen Schaden an, können Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenentzündung auslösen sowie Diabetes verstärken.
Das alles beweist: In einem Mund, der nicht vorbildlich zahnhygienisch betreut wird, tickt eine Zeitbombe, die eines Tages das Leben kosten kann.